SBB Journal

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Offener Diskurs über psychische Erkrankungen

„Männern fehlt [...] oft das Krankheitsgefühl, sie projizieren ihre Probleme eher auf die Umwelt.“, Prof. Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn

❗️ Gestern vor zehn Jahren nahm sich der Fußballtorhüter Robert Enke das Leben. Der Grund: Erkrankung an Depressionen.
Seitdem ist das Thema der psychischen Erkrankungen mehr und mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Offener Diskurs über Burnout, Depressionen und Therapie ist häufiger geworden.
Ursachen, Symptome und Behandlung werden in den Medien zunehmend thematisiert.

Die Debatte um Robert Enke hat jedoch auch gezeigt, dass gerade psychische Erkrankungen bei Männern häufig ein Tabuthema darstellen - und das bis heute.
Statistisch treten depressive Erkrankungen bei Frauen häufiger auf.
Doch sie bleiben bei Männern öfter unerkannt, und bergen höhere Suizidgefahr.

⚠️Gibt es also ,,männliche'' Depressionen? Wie unterscheiden sie sich? Und wie äußern sie sich?⚠️

⚫️ Verschobene Anzeichen
Zunächst zeigen Männer nicht immer - oder nicht ausschließlich - die bekannten Symptome. Depressionen und andere psychische Erkrankungen festzustellen ist keine exakte Wissenschaft, und abweichende Symptome erschweren eine Diagnose um so mehr.

❗️ Wo Frauen beispielsweise häufig unter Antriebslosigkeit oder Freudlosigkeiten leiden, schlägt es bei Männern vermehrt in Aggressionen um.
Sie neigen zu Suchtverhalten oder suchen körperliche Belastung. Diese Grundbeschwerden sind im Hintergrund verhanden, werden aber von den anderen Symptomen überlagert.
Dieses Verhalten wird häufig aber als ,,typisch männlich'' abgetan, und erregt demnach nicht die benötigte Aufmerksamkeit.

⚫️ Erschwerte Diagnose
Auch neigen Männer häufiger zu einer sogenannten ,,maskierten Depression''. Dort werden statt der psychischen Befindlichkeit und der Auslöser, wie etwa sozialer Probleme, oft nur körperliche Symptome wie Müdigkeit, erhöhte Reizbarkeit, oder Schlaflosigkeit geschildert.

❗️ Die bahnbrechende Gotland-Studie zeigte, dass nur wenn sehr spezifische Strategien angewandt wurden, um Depressionen beim Mann zu erkennen und zu behandeln, Erfolge verzeichnet werden konnten.
Es bedarf also der aktiven Nachfrage von aufmerksamen Ärzten, um hier auf das eigentliche Kernproblem zu stoßen.

⚫️ Bloß keine Schwäche zeigen!
Problematisch ist zudem, dass viele Männer sich schwer damit tun, sich selbst und gegenüber anderen eine eine als Solche empfundene Schwäche einzugestehen. Die Symptome werden als Befindlichkeiten abgetan, die man(n) mit sich selbst zu klären hat. So werden zunehmende Reizbarkeit, Enttäuschung oder Ärger beispielsweise auf Stress oder Müdigkeit zurückgeführt und verdrängt.

❗️ Dieses vermehrte Stressempfinden und teilweise lähmende Müdigkeit sind auch vorhanden, das ist ja das trügerische! Aber auch sie sind nur Symptome des tiefer liegenden Problems.

⚫️ Was also ist zu tun?
Es gilt den Blick zu schärfen. Gerade Männer müssen sich selbst kritischer betrachten, ihr Verhalten genauer beobachten, Gefühlszustände reflektieren und nicht verleugnen.
Und dabei müssen sie unterstützt werden. Einmal mehr nachfragen. Wege suchen, das abwehrendes Verhalten sanft zu umgehen.
Geduld und Verständnis sollten jedem entgegen gebracht werden, unabhängig des Geschlechts. Doch gerade Männer sind in dieser Thematik um so mehr auf den Blick von außen angewiesen, der vielleicht erkennen kann, was sie sich selbst nicht eingestehen wollen.

⚫️ Grauzonen
Wie bei allem, was psychische Erkrankungen angeht, ist auch bei Depressionen nichts nur schwarz und weiß.
Stereotype Ansichten können dazu führen, dass Männer Schwierigkeiten haben, sich bei seelischen Erkrankungen wie Depressionen Hilfe zu suchen, oder Frauen eventuell eher psychische Beschwerden zugeordnet werden.

⚠️ Wichtig!
Jedes der Symptome kann demnach auch bei Frauen auftreten, sich unterschiedlich heftig, oder auch gar nicht äußern.
Wichtig ist auch folgendes: Jedes Symptom für sich kann mal auftreten! Reizbarkeit etwa geht mit Energiemangel einher - jeder hat man eine schlechte Woche!
Wenn jedoch Ansammlungen dieser Symptome bemerkt werden und über längere Zeit bestehen bleiben, dann könnte dies auf Depressionen hinweisen, und sollte nicht verdrängt oder ignoriert werden.

❗️ Passt auf euch und einander auf!

Mehr zu diesem Thema findet ihr hier:
Frühe Symptome und erste Anzeichen von Depressionen https://bit.ly/2NYAIkV
Depression: Männer leiden anders
https://bit.ly/34PmZUb
Typische Depressionssymptome bei Männern https://bit.ly/2qDHip4
Depression beim Mann
https://bit.ly/2q5dUbh
Männer leiden anders: Tabu Depression
https://bit.ly/2Q6Jpfz

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