Wie wird die Digitale Lehre aus Sicht von Student:innen erlebt?

Julia Kiebart ist Werkstudentin bei der SBB Kompetenz und studiert Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Produktionsmanagement an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg. Sie unterstützt das Team Marketing & Digitalisierung und ist besonders im Bereich Social Media aktiv. Seit März 2020 findet auch die Lehre an Universitäten und Hochschulen überwiegend online statt.

Wie war für dich die plötzliche Umstellung von der Lehre vor Ort zu einem reinen Online-Studium?

Zu Beginn sorgte die Umstellung für ein großes Chaos an unserer Hochschule. Der größte Teil der lehrenden Professoren war nicht auf ein Online-Format eingestellt, daher hat es bei einigen mehrere Tage oder sogar Wochen gedauert, bis die Vorlesungen umgerüstet wurden. Trotz dieser plötzlichen Veränderung haben sich aber viele Lehrende sehr gut geschlagen und gezeigt, dass auch eine Online-Vorlesung ganz einfach möglich ist und nicht nur Nachteile mit sich bringt.

Das größte Problem bezüglich dieser Umstellung waren bei uns die sog. „Labore“. Die Labore finden begleitend zu den vielen Vorlesungen statt. Dabei führen wir verschiedene Versuche durch, Lernen diverse Maschinen kennen und wenden das theoretische Wissen in der Praxis an. Bisher wurden diese Labore immer vor Ort durchgeführt, damit wir verschiedene Maschinen, Geräte und auch Programme live testen und kennenlernen können. Durch die Umstellung auf die digitale Lehre sind solche Versuche nicht mehr das gleiche. Viele Professoren haben gute Online-Labore umgesetzt und präsentiert, allerdings ersetzt keine digitale Konferenz die selbstständige Bedienung einer Maschine.

Ist dir das Lernen und Studieren durch Corona schwerer gefallen?

Das lässt sich so pauschal gar nicht beantworten. Es gab einige Fächer, in denen eine Online-Vorlesung sogar sehr hilfreich war, weil sie aufgezeichnet wurde und für das komplette Semester zur Verfügung stand. So konnte man sich gerade in der Prüfungsphase wichtige Inhalte noch mal anhören und verinnerlichen. Was hingegen total fehlt, ist der Kontakt sowohl zu Kommilitonen als auch zu Professoren. Gewöhnlich werden auch in Vorlesungen Übungen durchgeführt und man konnte sich gegenseitig austauschen und beraten – auch die Hemmschwelle, mal eine Frage zu stellen, war deutlich geringer. Daher kann ich es auch gut verstehen, wenn für viele Studenten die aktuelle Lage ziemlich schwer und demotivierend ist. Man braucht sehr viel Selbstdisziplin, um sich nicht ablenken zu lassen und den theoretischen Stoff zu verfolgen. Besonders der fehlende Kontakt zu anderen Kommilitonen zerrt an der Motivation und Lernbereitschaft.

Insgesamt bin ich aber froh, dass ich zu Beginn des Studiums bereits viele Studierende kennenlernen durfte und daher schon meinen engeren Kontaktkreis habe. Dadurch konnten wir in kleinen Kreisen gemeinsam gut für die Prüfungen lernen und man hat versucht, sich gegenseitig zu motivieren.

Wie empfindest du die digitale Umstellung bei deiner Arbeit?

Ich selber komme allgemein sehr gut mit der digitalen Arbeit zurecht. Für mich besteht sowohl die Möglichkeit, vor Ort als auch im Homeoffice zu arbeiten. Dies lässt sich besonders gut mit meinem Studium kombinieren und gibt mir viel Flexibilität. Hier bei der SBB Kompetenz arbeiten wir mit Microsoft Teams und können daher viele Anliegen per Videochat ganz einfach lösen, diese Art der Kommunikation darf meiner Meinung nach auch gerne nach der Pandemie weiter bestehen bleiben. Da ich aber auch viel im Social Media Bereich tätig bin, fehlt aufgrund der aktuellen Lage oft die Nähe zu anderen Kollegen. Und besonders Social Media lebt von viel Persönlichkeit, Teamgeist und Offenheit. Ich würde in Zukunft gerne mehr von unseren Kursen vor Ort und dem Alltag hier bei der SBB Kompetenz zeigen, ich hoffe, dies wird bald wieder möglich sein. Auf jeden Fall freue ich mich schon auf die Zeit, in der wir wieder gemeinsame Team-Meetings vor Ort in einem Raum face to face durchführen können.

Was sind deine persönlichen Wünsche bezüglich des Studiums und deiner beruflichen Karriere?

Ich wünsche mir für aktuelle und auch zukünftige Studenten, dass sie bald den eigentlichen „normalen“ Alltag eines Studiums kennenlernen und mehr miteinander lernen können. Studieren macht super viel Spaß, dieser Aspekt geht leider in der aktuellen Lage oft verloren.

Im September 2021 beginnt für mich mein letztes Semester und die Bachelor-Arbeit steht an. Ich wünsche mir daher, dass ich trotz der jetzigen Umstände ein interessantes Thema in einer spannenden Firma bearbeiten darf, welche mich vielleicht auch nach meinem Studium weiter begleitet.

Herzlichen Dank an Julia Kiebart für das Gespräch und den aufschlussreichen Einblick in die digitale Lehre.

Eure SBB Kompetenz

 

 

 

 

 

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