Hinz&Kunzt

Ein Verkäufer - Ein Ausweis

Das Bild kennt jede/r Hamburger*in - an der Straßenecke, vor dem Supermarkt oder in der Fußgängerzone, die über 500 Verkäufer des Hinz&Kunzt-Straßenmagazins gehören fest zum Stadtbild.

Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter? Das Herz des ganzen Unternehmens ist das unscheinbare Verlagsgebäude an der Altstädter Twiete, mitten in der Innenstadt.

Obwohl den sogenannten Hinz&Künztlern in den Räumlichkeiten des Verlags Tee und Kaffee angeboten wird, ist der Empfangsraum  gar nicht als Aufenthaltsort gedacht. Denn hier geht es nämlich um den großen Tresen, an dem die Verkäufer für etwa die Hälfte des festgesetzten Verkaufspreises die Magazine selbst ankaufen. Diese Transaktion ist der Grundstein für das Gesamtkonzept Hinz&Kunzt.

Weg aus der Isolation

Die Probleme, die mit Wohnungslosigkeit einhergehen, sind vielfältig und teilweise offensichtlich. Doch gerade bei den subtileren, aber nicht minder zerstörerischen Faktoren greift das System von Hinz&Kunzt. Mit der Armut geht häufig Isolation einher. Die Betroffenen können nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, die Folge sind Vereinsamung und Perspektivlosigkeit. All diese Probleme werden durch die Methodik des Verlages angegangen.

Durch den Verkauf des Magazins gelangen die Hinz&Künztler an eigenes Geld, das sie frei verwenden können. Dies schafft zunächst ein Gefühl von Wertigkeit. Weiterhin erhalten die Verkäufer*innen soziale Anknüpfungspunkte und entwickeln eine persönliche Bindung zu ihrem Verkaufsort. So entstehen ein fester Kundenstamm und sogar Freundschaften. Gerade das Auftreten als gleichberechtige Vertragspartner beim Verkauf der Zeitung sorgt für ein Gefühl der Zugehörigkeit. Das geht in der armutsbedingten Isolation sonst schnell verloren.

Ein Mikrokosmos im Hinterhof

Diese Gleichberechtigung im Umgang zeichnet Hinz&Kunzt für uns aus. Vor Ort herrschte eine realistische, aber menschliche Herangehensweise an die vielen Herausforderungen, die aus der Zusammenarbeit mit Wohnungslosen, Menschen mit Sucht- oder psychischen Erkrankungen heraus resultieren. Hier geht es eben nicht um Mitleid, sondern um Unterstützung. Niemand soll belehrt oder kontrolliert werden, es geht darum, den Menschen Hilfestellung anzubieten, um aus eigener Kraft eigene Ziele möglich zu machen und Anschluss zu finden.

Hinz&Kunzt bietet ihren Verkäufer*innen die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Diese Möglichkeit können sie wahrnehmen, sie können sich auf die mannigfaltigen Freizeit-und Hilfsangebote, wie etwa Sprachkurse oder Freizeitaktionen, einlassen – oder sie verkaufen ihre Zeitung, und das war´s. Es bestehen kein Zwang und keine Abhängigkeit. Dieser Aspekt hat uns besonders beeindruckt. Dass das System funktioniert, ist offensichtlich: Über die Hälfte der Verlagsmitarbeiter sind ehemalige Verkäufer!

Keine Almosen über Umwege

Das Magazin zu kaufen bedeutet mehr, als Hinz&Kunzt finanziell zu unterstützen. Das Magazin zu kaufen bestätigt H&K in ihrem einzigartigen Umgang mit Obdachlosen. Es drückt Wertschätzung gegenüber der professionellen journalistischen Arbeit aus, die von der Redaktion bei der Erstellung des Magazins Monat für Monat geleistet wird. Daher ist auch die gut gemeinte Geste, den Verkäufern Geld zu geben aber die Zeitung abzulehnen, leider fehlgeleitet.

In dem Moment wird der Verkäufer zu einem einfachen Bettler degradiert, er ist kein gleichgestellter Dienstleister mehr. Der Kauf des Magazins soll demnach keine Almosen über Umwege darstellen -wer nicht an dem Inhalt interessiert ist, aber trotzdem Unterstützung leisten möchte, kann direkt an den Verlag spenden. Mit dem Erwerb der Zeitung unterstützt ihr also nicht nur einen Verkäufer und seinen Arbeitgeber. Ihr fördert ein komplett gemeinnütziges System, das hunderten von Menschen dabei hilft, sich selbst zu helfen.

Die wertvollste und gleichzeitig einfachste Art der Unterstützung ist der Erwerb des Magazins.

 

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