SBB Journal

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Stress ist subjektiv

Was ist eigentlich Stress?


Zunächst ist es wichtig, zu verstehen, was mit Stress gemeint ist und warum das Empfinden hierzu so unterschiedlich zu definieren ist, wie es Menschen gibt, die diesen verspüren.
Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass Stress eine Aktivierungsreaktion des gesamten Organismus in seiner aktuellen Belastbarkeit, seinen Erfahrungen, Beweggründen, Denkmustern sowie Stressoren ist. Somit eine Aktivierungsreaktion auf alles, was individuell als Anforderung, Bedrohung oder als Schaden bewertet wird, ist.
Oder anders ausgedrückt, Stress ist eine individuelle Empfindung innerhalb eines gesellschaftlichen Phänomens mit Krankheitswert. Somit ist Stress ein Mangel an Balance sowie der Bereitschaft aktiv auf empfundene Stressoren zu reagieren. Die gesellschaftliche Forderung, Stresssituationen wie selbstverständlich reaktionsarm „auszusitzen“ erhöht die Stressfaktoren und steht einer natürlichen Reaktion entgegen.

Stress als Volkskrankheit


Dabei ist Stress kein ausschließlich modernes Phänomen, sondern findet seine Wurzeln tatsächlich in evolutionären Ursprüngen. Seit Anbeginn des empfindungsfähigen Lebens sorgt Stress dafür, dass Individuen in der Lage sind, sich verändernden Umweltbedingungen anzupassen. Somit ist Stress grundsätzlich eine völlig natürliche Reaktion, die sich auf den Organismus auswirkt. 
Auch wenn die Reaktion „Stress“ seither gleich ist, gibt es doch wesentliche Veränderungen im Umgang hiermit. Ursprünglich war der Mensch durch das durch Stress, plötzlich vom Organismus zur Verfügung gestellte „Extra“ an Energie, gut für Flucht- und Kampfsituationen gerüstet und ging anschließend direkt in eine „Erholungsphase“ über, in der die notwendige Regeneration nach erlebten Stress eintrat. 
Erlebt der moderne Mensch, tatsächlich lebensbedrohliche Situationen eher selten, befindet sich allerdings in einer stetig steigenden Reizüberflutung innerhalb der immer komplexer werdenden Umwelt, in der der gelebte Rhythmus der Reizwechsel nicht natürlichen Bedarfen folgt – sodass der notwendige Übergang in Erholungsphasen immer seltener gelingt – wir empfinden Dauerstress.
Hieraus resultieren dann eine Vielzahl an Stressreaktionen, wie Konzentrations- und Schlafstörungen, Angstgefühle, Nervosität bis hin zu Erkrankungen der Haut, des Herz-Kreislauf-Systems, Störungen des Magen- Darmtraktes, Migräne u. v. m.

Stress ist subjektiv


Die Unterscheidung nach Seyle (ungarisch-kanadischer Mediziner), Stress in positiven Eustress, Stress der uns „beflügelt, sowie negativen Disstress, der uns überfordert, findet hier keine Berücksichtigung – da wir uns in diesem Artikel mit dem Umgang der Aktivierungsreaktion „Stress“ zu beschäftigen suchen.
An dieser Stelle sei festzuhalten, dass Stress prinzipiell in jeder erlebten oder empfundenen Situation auftreten kann. Entscheidend hierfür sind die Stressoren, welche Anforderungen (innere wie äußere) an den Organismus senden, die einer bestimmten Situation zusprechen oder an uns herangetragen werden. Stress hängt somit primär von der eigenen Bewertung einer Situation ab. Sobald wir also, nach eigener Bewertung uns in einer Situation sehen, die unsere Bewältigungsstrategie übersteigt geraten wir in „Stress“. 
Nicht die Situation, sondern der eigene Umgang bestimmt, ob und in welchem Maß wir Stress empfinden.
„Selig sind die Roboter, denn sie haben keine Gedanken zu der eigenen Leistung oder die, an sie gestellten Anforderungen.“ Bernhard Jeannot

Stress reduzieren – aber wie?


Zwar gibt es gegen Stress kein allgemeingültiges Patentrezept, dennoch haben wir alle notwendigen Fähigkeiten, das empfundene Stresslevel zu reduzieren – Stress gesund zu verarbeiten; dabei ist nicht jede Maßnahme bei jedem Menschen gleich angemessen, sondern muss den Empfindungen sowie individuellem Leistungsvermögen folgen. Die Kombination verschiedener Elemente der Prävention sowie Bewältigung zu einer persönlichen Anti-Stress-Strategie, ist hierbei immer am erfolgreichsten. 

Identifiziere den Auslöser einer Situation in der Du in „Stress“ gerätst. Deine ganz persönliche Einschätzung einer Situation und Ihrer Bewältigungskompetenzen ist maßgeblich für Dein Stressempfinden. Vermeide das Überzeichnen von Fakten oder Ausschließlichkeitsbehauptungen („immer macht der… das schaffe ich nie“)

Hinterfrage kritisch, ob und wie weit Deine Einschätzung der Situation realistisch ist. Siehst Du in einer Situation nur die negative Seite oder hast Du zu hohe Erwartungen. Vermeide hierbei zu dramatisieren („das ist jetzt das Ende …“)

Ändere Deine Einstellung zu der erlebten Situation und nehme Abstand von bisherigen, für Dich Stress auslösenden Verhaltensmustern. Nimm Dir bewusst und regelmäßig Zeit und denke übe Dein Handeln und Erleben nach und regeneriere so Deine Stresstoleranz auf das für Dich funktionale und angenehme Niveau.

Von Bernhard Jeannot

Kooperationspartner

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