Wissenschaft und Praxis im Dialog

Eine Vortragsreihe der SBB Kompetenz gGmbH in Kooperation mit
Universitäten.
Als Teil der Stiftung Berufliche Bildung steht die SBB Kompetenz gGmbH für die berufliche Orientierung und Qualifizierung bildungsmäßig und sozial benachteiligter Menschen. Da wir in allen Bereichen unserer Angebote einen hohen Anteil von Menschen mit eigener oder familiärer Migrationserfahrung haben, ist die Kenntnis von Umständen, Hintergründen und Problemen geflüchteter Menschen und Migrant:innen von großer Bedeutung.
Aus diesem Grund freuen wir uns mit unseren Vortragsreihen Begegnungsräume zu schaffen, in denen Wissenschaft und Praxis in den Dialog treten.

Donnerstag 03. September 2026 | 14:30 – 16:30 UHR
„Was passiert, wenn der vorübergehende Schutz endet? Die Zukunft ukrainischer Flüchtlinge in der EU“
Prof. Dr. Jeroen Doomernik
Politologie, Sozialgeografie, Universität von Amsterdam, Niederlande
Bereits relativ früh nach der Anwendung der Richtlinie über vorübergehenden Schutz für ukrainische Flüchtlinge in 2022 zeigten sich unterschiedliche Auslegungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten.
Dies ist an sich nicht problematisch, da eine Richtlinie dies zulässt, doch die langfristigen Folgen könnten sich als Herausforderung erweisen. Die deutsche Regierung strebte beispielsweise von Anfang an eine möglichst längerfristige Präsenz dieser Flüchtlinge in der deutschen Gesellschaft im Allgemeinen und eine sinnvolle Integration in den Arbeitsmarkt an, insbesondere durch das Angebot großzügiger Sozialleistungen und Sprachkurse. Im Gegensatz dazu bestand der niederländische Ansatz darin, eine rasche Teilhabe am Arbeitsmarkt zu fördern. Sprachkurse wurden nur in geringem Umfang angeboten, da der vorübergehende Charakter der Richtlinie als entscheidend angesehen wurde. Im März 2027 läuft der Schutz aus, und die nationalen Regierungen müssen über Alternativen nachdenken.
Donnerstag 01. Oktober 2026 | 14:30 – 16:30 UHR
„Wortschatz lernen und das Gehirn“
Prof. Dr. Marion Grein
Deutsch als Fremdsprache / Deutsch als Zweitsprache, Johannes Gutenberg Universitat Mainz
Wie gelingt es, Wortschatz nachhaltig im Gehirn zu verankern? Dieser Workshop verbindet aktuelle Erkenntnisse aus der Neurodidaktik mit praktischen Strategien für den DaZ-Unterricht. Im Fokus steht die Frage, wie das Gehirn Vokabeln speichert – und was das für die Gestaltung von Unterricht bedeutet.
Wir werfen einen Blick auf die Rolle des Hippocampus, die Bedeutung von Wiederholung, Emotion und Kontext sowie die Wirkung von Neurotransmittern wie Dopamin auf Motivation und Merkfähigkeit. Dabei wird deutlich: Vokabellernen funktioniert besser, wenn es emotional und multisensorisch gestaltet ist – vor allem da Lernende andere Vorlieben haben. Gemeinsam schauen wir uns unterschiedliche Verfahren an.
Donnerstag 03. Dezember 2026 | 14:30 – 16:30 UHR
„Jenseits, dazwischen und außerhalb? Standpunkte und Streitpunkte zum Thema Geschlecht in Wissenschaft und Gesellschaft“
Prof. Dr. Katharina Liebsch
Mikrosoziologie, Helmuth Schmidt Universität Hamburg
Debatten um Geschlecht, Feminismus und Gender-Studies sind durchweg aufgeregt und engagiert.
Vor mehr als einem halben Jahrhundert im Jahr 1949 schrieb Simone de Beauvoir: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ Erst gut zwanzig Jahre später sollte dieser Satz seine explosive Wirkung entfalten, als die neuen Frauenbewegungen in Nordamerika und Westeuropa für Frauen körperliche und sexuelle Selbstbestimmung forderten. Seither sind viele an Beauvoirs These anschließenden Fragen aufgeworfen und diskutiert worden, die bis heute andauern: Wie wird ,man‘ eine Frau? Welche Rolle spielt der Körper dabei und welche die Gesellschaft? Wie scheitert man daran, eine Frau werden zu müssen? Inwieweit gilt der Satz auch für Männer? Und was bedeutet er für Personen, die sich weder weiblich noch männlich fühlen?

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Jan-Peter-Lehnert,
Fachbereich Sprache & Soziales